Küchengarten

Den eigenen Kompost beschleunigen — mit Pferdemist

90 Liter Pferdmist

Wozu brauche ich denn überhaupt Kompost im eigenen Garten?

In meinem Gemüsegarten und eigentlich auch im gesamten Rest des Gartens verfahre ich nach der „no-dig“-Methode. Übersetzt und in einfachen Worten bedeutet das: Lass deinen Boden in Ruhe, fass‘ ihn bloß nicht mit dem Spaten oder der Grabegabel an. Der englische Gartenpapst Charles Dowding propagiert dieses System seit Jahren und verspricht dabei neben viel mehr Zeit auch noch wenig Unkraut. Was man dafür braucht, außer der eigenen Gelassenheit nicht alles immer wieder umzugraben, ist Kompost. Jede Menge Kompost. Denn damit werden alle Beete min. einmal, besser zweimal im Jahr mit einer ca. 3 – 5 cm hohen Schicht gemulcht.

Wenn man mit no-dig startet, bspw. mit einer Schicht aus dicker Pappe, die direkt auf das Unkraut oder bspw. den Rasen gelegt wird, dann benötigt man jedoch eher 10 – 15 cm Kompost, die dann als dicke Mulchschicht auf die Pappe kommen. Rasen und Unkräuter kompostieren sich in der Dunkelheit unter der Pappe selbst, in die obere Kompostschicht kann direkt gepflanzt werden.

Kompost selbst beinhaltet wenig bis keine Unkrautsamen, sodass man sich nur noch um die kümmern muss, die von Vögeln oder dem Wind auf die Fläche kommen. Voraussetzung für einen unkrautfreien Kompost sind hohe Temperaturen (> 50° C) während des Kompostiervorgangs. Dafür gibt es kommerzielle Kompostbeschleuniger, aber eben auch natürlichere Methoden. Neben dem Kompost aus dem eigenen Garten, der in der Regel aus Grünschnitt und Resten aus der heimischen Küche besteht, gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, das kostbare Braun in den eigenen Garten zu bekommen.

In vielen Städten und Gemeinden gibt es Kompost aus der städtischen Kompostieranlage für Privatabnehmer kostenlos oder gegen einen kleine Aufwandsentschädigung. Dieser aus Grünschnitt bestehende Kompost wird maschinell gehäckselt und häufig gewendet, was zu Temperaturen über 70° C führt. In Hannover bspw. dürfen Mengen bis 1 qm (also 1000 Liter Kompost) kostenfrei abgeholt werden, hier in Hagen kosten 1000 Liter acht Euro.

Viele Kompostieranlagen bieten auch eine kostengünstige Lieferung direkt vor das eigene Gartentor an. Bei der Neuanlage meiner Gemüsebeete habe ich davon Gebrauch gemacht und mir 5000 Liter liefern lassen. Mehr dazu erfährst du hier.

Pferdemist auf dem Kompost

Wer den eigenen Kompost beschleunigen möchte und für ordentlich Hitze sorgen möchte, der kann den Kompost mit frischem Pferdemist auffüllen. Bei ebay-Kleinanzeigen* lassen sich Reitanlagen in der Nähe finden, die frischen Pferdemist zur Abholung anbieten. Ich habe meine Pferdemist-Dealerin in wenigen Kilometern Entfernung bei einem Pferdeoffenstall. Der Misthaufen besteht im Prinzip aus reinem Pferdemist, mit nur wenig Heu und ganz ohne Stroh. Ich kann mit dem Auto oder einem Anhänger direkt ranfahren und anfangen zu schaufeln.

Für meinen Kombi habe ich mir vier große 90 Liter Mörtelwannen besorgt, die haargenau den Kofferraum mit umgeklappter Rückbank ausfüllen. So kann ich innerhalb kürzester Zeit rund 350 Liter frischen Pferdemist in meinen Garten holen.

Welche Temperaturen können wie schnell erreicht werden?

Direkt nach dem Verteilen der 350 Liter auf meinem Komposthaufen habe ich die Temperatur gemessen. Ergebnis: 56 °C. Nicht schlecht!

Bereits nach 2 Tagen zeigte das Thermometer 67 °C an. Da ich dafür ein Fleischthermometer** umfunktioniert habe, piepte es direkt, um mir zu signalisieren, dass die Kerntemperatur eines Rinderbratens jetzt erreicht wäre.

Ich habe den Kompost dann noch mit Stroh abgedeckt und obendrauf meine Anzuchtplatte mit Blumensaat gelegt. Hier sollten die Temperaturen auch in der Nacht ordentlich hoch bleiben. So spare ich mir zuhause etwas Platz auf der Fensterbank.

Am nächsten Morgen habe ich die Temperatur direkt unter der Anzuchtplatte gemessen. Auf der Fleeceabdeckung hatte sich einiges an Kondenswasser gebildet und trotz lediglich 4 °C Außentemperatur waren es unter dem Tray angenehme 25°C. Das sollte beim Keimen helfen.

*Unbezahlte Werbung wegen Markennennung
**Unbezahlte Werbung wegen Produktfoto

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